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THEMA: Mann und Frau im 21. Jahrhundert
Mann und Frau im 21. Jahrhundert 04 Feb 2011 19:32 #1
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Monika Dittmer "Mann und Frau im 21. Jahrhundert" ( aus Anthologie "Kinderherz" von Tristan Rosenkranz )
1. Hintergrund Aus zahlreichen Jahren Berufserfahrung in der sozialen Arbeit und Beratung von fast ausschließlich Frauen ist mir die emanzipatorisch-feministische Haltung überaus vertraut. Sicher habe ich mich im Laufe meines Lebens dieser beruflich wie privat bedient. Wohl, weil ich dies für meine eigene Reife, Selbstfindung und Selbstbewusstseinsbildung so nötig hatte wie eine ganze Frauengeneration. Wir Frauen haben aber kein Recht, den Männern zu verwehren, was wir für uns selbst erkämpft haben. Im Gegenteil weiß ich um die Effekte für mich und mein persönliches und berufliches Umfeld und teile dies denen mit, die sich darauf einlassen wollen. Frauen gleichermaßen wie Männern. Als Gleichstellungsbeauftragte sehe ich Handlungsbedarf im Sinne des Artikels 3 des Grundgesetzes für beide Geschlechter. Als emanzipierte Frau weigere ich mich, das „ewige“ Opfer zu sein, ich habe längst keine Lust mehr, die Argumente der ersten Stunde zu repetieren wie eine kaputte Schallplatte die an einer Stelle hängen geblieben ist. In der Daueropferrolle fühle ich mich eher gefangen als wohl. Es gehört eine gute Portion Mut und Offenheit dazu, Gleichstellung weiter zu modernisieren. Ich meine, heute brauchen frauenbewegte, starke und emanzipierte Frauen in Deutschland diesen einseitigen Ansatz der ausschließlichen Frauenförderung und -bevorteilung nicht mehr. Er hat sich selbst überholt und kann sowieso nicht bis ins Letzte verwirklicht werden, dann hätten wir ein Matriarchat und keine demokratische Grundordnung mehr. Dass wir Gleichstellung nahezu erreicht haben, verdanken wir den Frauen der 1. Stunde, die Strukturen aufgebaut und erkämpft haben. Wir verdanken es aber auch den Männern, die dies mit unterstützt und ge- oder ertragen haben. Vielleicht haben Männer auch dabei „gelitten“? Diese Frage muss erlaubt sein. Es gilt nun weiter zu modifizieren und Gleichstellungspolitik passgenauer zu machen. In einer modernen Gesellschaft wie der unsren, kommt das Suchen nach strukturellen Defiziten für Frauen dem Finden einer Stecknadel im Heuhaufen gleich. Es geht uns Frauen gut! Was sich in anderen Ländern oder in anderen Kulturen in Sachen Gleichstellung nicht bewegt, bleibt ein Thema, darf aber nicht für die Diskussion um Frauen in Deutschland instrumentalisiert werden. 2. Trendwende Das Neue für die, auch feministischen, Entscheidungsträger in unserem Land wird wohl sein, den Mut zu haben, konsequent, beide Geschlechter in den Blick zu nehmen. Das wird nicht immer leicht fallen, aber Frauen werden nicht zu einer Verräterin am eigenen Geschlecht, sondern vielmehr zu einer Mitgestalterin einer Geschlechterdemokratie im 21. Jahrhundert, wenn sie dies tun. Eine solche Haltung drückt eine Wertschätzung in einem demokratischen Prozess gegenüber dem anderen Geschlecht aus und fördert die Weiterentwicklung der Frauenbelange. Denn unter dem Dach der heutigen Gleichstellungspolitik können Frauenpolitik und Männerpolitik ein gleichberechtigtes Zuhause finden, wenn wir denn wollen. Wie groß könnte der Gewinn für uns alle sein, wenn Männer und Frauen sich gemeinsam auf den Weg machen würden, Geschlechterdemokratie zu gestalten? Beflügelt von meiner Fantasie setzt das große Kräfte in mir frei, wie ist es mit Ihnen? Meine soziale Grundhaltung, meine Liebe zum Menschen und mein Gerechtigkeitsempfinden machen es mir heute unmöglich, mir selbst den Blick auf den männlichen Teil der Gesellschaft zu verwehren, dabei behalte ich durchaus die Frauen weiter im Auge. Das ist Professionalität. Mit mir tun dies auch viele weitere Gleichstellungsbeauftragte, einige im Verborgenen, andere hinter vorgehaltener Hand. Das gleiche Gefühl von damals, als der Wind eines Befreiungskampfes für Frauen durch das Land wehte, treibt mich heute bei meiner Arbeit an, wenn es um grundlegende Belange von Frauen und Männer geht. Geschärft durch ein frauenbewegtes Leben, wünsche ich mir eine bundesweite Vernetzung von Männergruppen, eine Lobby für diese berechtigten Anliegen und finanzstarke und entscheidungsfreudige Schnittstellen, die konstruktiv Synergieeffekte nutzen. So wie wir Frauen es schon lange haben und nutzen können, steht es auch den Männern zu, allerdings muss das feministische Vorzeichen bei dieser Männerlobby fehlen, wenn sie eigenständig sein will. Ansonsten wird Männerpolitik nur ein Abklatsch der Frauenpolitik sein und letztlich eine Unterwerfung unter das feministische Leitbild. Muss das sein? Eine Folge solcher Veränderungen wird sein, dass für Frauen bedeutsame Hilfestrukturen geschlechterdemokratisch für Männer ebenfalls geöffnet werden müssen. Wenn Frauenhaus, dann auch Männerhaus, oder besser „Gewaltschutzhaus“ ohne eine künstliche Trennung? Ich bin der festen Überzeugung: Wir Frauen werden nicht verlieren, sondern Nutznießerinnen einer autonomen Männerbewegung sein. Es gibt mindestens einen guten Grund, im Sinne der Geschlechterfrage keine Zweiklassengesellschaft aufrechtzuerhalten: Wir sind es unseren Kindern und mit ihnen unserer Zukunft schuldig! 3. Demokratische Balance Wenn ich über Gleichstellung nachdenke, dann kommt mir eine Wippe in den Sinn. Das Spiel zu zweit auf der Wippe ist für mich ein gutes Synonym für das, was Beziehung von Mann und Frau ausmachen kann. Balance in dem Sinn, sich mit Wertschätzung und Empathie und einer demokratischen Grundhaltung aufeinander einzulassen, das finde ich erstrebenswert. Es ist ein Prozess, der im Kontext der Elternschaft und insbesondere nach Trennung und Scheidung von Frauen und Männern erhöhte Aufmerksamkeit erfordert. Wer hier Unterstützung benötigt, sollte sich dieser geschlechtersensibel sicher sein dürfen. Die von Männern und Vätern beklagte Einseitigkeit zu Lasten ihrer Person muss uns aufmerken lassen und fordert nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Handeln auf. Fragen Sie die Väter und Männer, da gibt es kreative Köpfe, die ideenreich und konstruktiv für ihre Anliegen einstehen. Muss es denn immer der Einzelkampf bis zum Bundesverfassungsgericht oder zum europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sein? Es steht schlecht um die Geschlechtergerechtigkeit, wenn sich Männer ihre Rechte häufig oft erstreiten müssen. Die hohe Scheidungsrate ist schon etwas Besonderes in unserer Gesellschaft. Eine kleine Massenhysterie seit einigen Jahrzehnten. Überwiegend wird die Scheidung von Frauen gewünscht! Der Rosenkrieg ist nachhaltige und hat negative, Auswirkungen auf alle Beteiligten, insbesondere auf die Kinder. Das schwächste Glied in dieser Kette sind die Kinder. In ihren Herzen ist Platz für Vater und Mutter. Für diese Kinder müssen wir nach deutlich besseren Lösungen suchen, solche, die Vater und Mutter nicht aus der Pflicht entlassen, sich um ihren Nachwuchs gleichberechtigt kümmern zu müssen – und zu können. Hier miteinander schmutzige Wäsche zu waschen, verunreinigt ein unschuldiges Kinderleben. Sie für eigene Interessen zu instrumentalisieren, ist verwerflich. Eltern bleiben – ein Leben lang und im Sinne einer partnerschaftlich-demokratischen Grundhaltung, das gelingt noch viel zu wenig den ehemaligen Liebespaaren. Wie wäre es mit Weihnachten á la Ex-Eheleute Schweiger, gemeinsam unterm Weihnachtsbaum, weil es ein Fest der Liebe ist und hier nicht nur ein Kind im religiösen Sinne, im Mittelpunkt steht? Wer Kinder miteinander zeugen kann, sollte auch die nötige Reife besitzen, oder in diese Richtung bewegt werden, das Beste für das gemeinsame Kind zu ermöglichen. Das Beste ist einfach: Umgang mit Vater und Mutter. Kindern muss die Möglichkeit geschaffen werden zu beiden Elternteilen eine gute, tragende Beziehung aufbauen zu können. Wer dies dem Kind verwehrt macht sich schuldig! Männer haben das gleiche Recht auf Reife, Selbstfindung und Selbstbewusstseinsbildung wie Frauen. Es würde mich freuen, wenn dies mit einer starken Männerbewegung spür- und sichtbar gemacht würde. Genügend Gründe für eine Männerbewegung gibt es. Aber werden die Männer auch stark genug sein? Ist ihre Leidensfähigkeit so groß, dass es noch Jahre oder Jahrzehnte dauern wird, bis sie mit einer Stimme sprechen? Sind die Männer so erschöpft, wie es in der Presse hieß? Sind sie lieber einsame Wölfe, die im Einzelkampf vorangehen? Oder bedarf es gar der Frau als Sprachrohr und Vermittler, einer „Emma“ für Männer? "Mein Bauch gehört mir" war starker Tobak und hat die Frauen vereint. Obwohl diese Aussage nur eine halbe Wahrheit ist: für den Inhalt bedarf es einer wesentlichen männlichen Beigabe. Für die Männer könnte es heute heißen: „Mein Samen gehört mir“, das erhöht die Wahrscheinlichkeit auf Bewusstseinswandel, denn es macht die diskriminierende Ausgangslage des Mannes deutlich. „Samenspender“, „Erzeuger“ „Zahlesel“, es gibt zahlreiche sprachliche Diskriminierungen für diese „Umstände“. Meine Hoffnung ruht auf den jungen Männern und Frauen, denen nach wie vor und unaustreibbar, der Sinn nach Familie und einem erfüllten Arbeitsleben steht und - das sollte doch zu schaffen sein! Die in die Jahre gekommenen Frauen - und Männer, welche die Frauenbewegung mit angeschoben und ihren Werdegang unterstützt haben, könnten ihr Wissen und ihre Erfahrung einsetzen, nicht, um die Fronten zu verhärten, sondern um die Geschlechterdemokratie im Lande zu stärken und es unseren Kindern endlich zu ermöglichen, mit geringerem sozioökonomischen Druck ihren persönlichen, ganz eigenen Lebensentwurf zu entfalten. Eine maßgeschneiderte, passgenaue Lebensbiografie, ohne feministische oder maskulinistische Vorgaben. Im 21. Jahrhundert brauchen wir für einen gesunden Fortbestand unserer Gesellschaft mehr Geschlechterdemokratie. In diesem Sinne sollten wir unsere Sicht auf Mann UND Frau erweitern und uns auch selbst kritisch reflektieren. Monika Dittmer Dipl.Soz.päd/Soz.arb Systemische Familientherapeutin Kita Leitung Gleichstellungsbeauftragte Inhalts- und Bestellinfos zum Buch: www.facebook.com/profile.php?id=100001435384190#!/album.php?aid=17400&id=100001435384190 Website der Autorin: www.geschlechterdemokratie.wordpress.com/ |
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Kinder sind nicht unsere Zukunft, sie sind ihre eigene Gegenwart!
Wer dieselbe beschädigt, oder gar zerstört, hat einen Feind: mich! |
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